Zeit und Augenblick und Ewigkeit

Ein neues Jahr, sogar ein neues Jahrzehnt hat begonnen: Zeit der Rückblicke und Ausblicke, Zeit für Chronisten und Statistiker, Zeit der guten Vorsätze und der nüchternen Erkenntnis, genau diese Vorsätze wohl doch wieder nicht einzuhalten.

Wir protokollieren das Vergangene, halten uns an Ereignissen fest, setzen uns Marken für die Zukunft und wissen dabei doch, dass die Zeit unerbittlich fortschreitet. Banale Erkenntnis: Keinen Augenblick können wir zurückholen, kein noch so schönes Erlebnis wiederholen und im Grunde sind all unsere Zukunftspläne mit vielen Fragezeichen und Unwägbarkeiten behaftet.

Bei allem, was wir zu beherrschen gelernt haben, bleibt die Zeit doch außerhalb menschlicher Verfügbarkeit, die Zeitmaschine, mit der wir in die Vergangenheit oder Zukunft reisen könnten, eine Illusion. Immerhin: Wir haben die menschlichen Alterungsprozesse so weit studiert, dass Wissenschaftler schon davon sprechen das Altern hinausschieben zu können. Letztlich sind solche medizinischen Phantasien aber wohl nur ein Hinauszögern, ein sinnloses Aufbäumen gegen die Zeit.

Und doch scheint es zum Ur-Menschlichen zu gehören, sich nicht einfach dem Strom der Zeit auszuliefern und sich von einem Tag zum anderen gleichsam treiben zu lassen. Deshalb gibt es in allen Kulturen Feste und Rituale, bestimmte Daten im Kalender, den Wechsel von Arbeit und Ruhe. Leben wir vielleicht schon in der Gefahr, diese Zeitrhythmen zu verlieren, mithin kulturlos zu werden?

Gläubige Menschen gehen noch einen Schritt weiter, wenn sie solche Tage und Feste nicht nur als Unterbrechung des Zeitstroms, sondern als Einbruch der göttlichen Zeit – anders ausgedrückt der Ewigkeit - in ihrem Leben feiern und begehen. Für den, der glauben kann, ist die Zeit keine anonyme Schicksalsmacht, nichts woran wir uns ängstlich klammern oder wogegen wir uns letztlich vergeblich auflehnen müssten, sondern der von Gott mir jetzt geschenkte Augenblick. In jedem Augenblick entscheidet sich vor Gott mein Leben. Jeder Moment des vor uns liegenden Jahres kann zu einer Begegnung mit Gott werden.

Diese Sicht auf den Augenblick relativiert unser menschliches Planen und gibt ihm einen tieferen Sinn. Sie lässt vielleicht auch manches, was in der Vergangenheit war und woran wir uns vielleicht nicht gerne erinnern mögen, in einem anderen Licht erscheinen. Sie schafft Gelassenheit, sie kann uns aufmerksam machen für das, was gerade ansteht und wichtig ist.

Mit einem Text des Barockdichters Andreas Gryphius wünsche ich Ihnen fürs Jahr 2020 diese Gelassenheit und viele gott-geschenkte Augenblicke:

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
Der Augenblick ist mein
und nehm ich den in acht,
So ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Robert Schilk, Pastoralreferent

 

 

 

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