Fastenzeit - mit Christus durch die Wüste gehen

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.“ (Mt 6,16f)

Mit diesem Wort aus dem Evangelium nach Matthäus gebe ich meiner persönlichen Fastenzeit von Aschermittwoch bis zum Ostersonntag jedes Jahr aufs Neue eine Überschrift. Ich finde es sehr bedauerlich, dass wir uns einerseits jährlich Vorsätze zum Jahreswechsel vornehmen – und dabei auch immer den Verzicht in den Vordergrund stellen (weniger Fett, weniger Zucker, weniger Internet, weniger Zigaretten etc.) – aber das religiöse Fasten im Leben der Gläubigen und in der Verkündigung der Kirche so gut wie keine Rolle mehr spielt. Die Kirche tat eigentlich immer gut daran, ihre größten Feste (Weihnachten und Ostern) mit einer Fastenzeit zu erwarten, schließlich war auch der Advent ursprünglich einmal – man mag es mit Blick auf heute kaum glauben – eine Fastenzeit.

Man kann die Praxis des Fastens freilich auch ins Absurde führen. Es kann natürlich nie um einen Wettbewerb gehen, wer als Christ weniger Essen kann, wer sich mehr Buße auferlegen kann, wer mehr Enthaltsamkeit üben kann usw. Das kann nie der Sinn des Fastens sein. Davor warnt uns Jesus ganz massiv. Durch das Fasten sich also etwas vor Gott verdienen, geht freilich nicht. Sich durch das Fasten Anerkennung vor den anderen Menschen verdienen zu wollen, stellt das Prinzip Jesu aus seiner Bergpredigt auf den Kopf. Gottes Blick ist ein anderer: Er sieht auch das Fasten, das in einer Fröhlichkeit begangen wird; Gott erhört auch das Gebet, das in wenigen und einfachen Worten an ihn dringt.

Umgekehrt wird es aber auch widersprüchlich: Wenn wir mit Beginn des Aschermittwoch in den Gottesdiensten wieder violette Messgewänder sehen und uns als Zeichen der Buße Asche auf das Haupt streuen lassen, wenn wir in den Gebeten und Lesungen vermehrt von der Umkehr zu Gott hören und die Lieder ein wenig schwermütiger werden, diese Haltung aber letztlich nicht in den Alltag „retten“, sondern sich diese Zeit vielmehr nicht von allen anderen Zeiten unterscheidet, wird unser Leben als Christ ein Stück weit widersprüchlich. Es muss schon eine Übereinstimmung im Leben eines Christen sein zwischen dem, was wir in der Liturgie feiern und dem, wie wir „da draußen“ leben. Die Wandlung am Altar darf am Kirchenportal nicht ihre Grenze haben, liebe Schwestern und Brüder.

Fasten, Gebet und Almosen als die drei wesentlichen Formen der Frömmigkeit für die Fastenzeit dürfen nicht bloß leere Worthülsen sein, sondern diese Formen sollen auch gelebt werden, denn nur in der konkreten Umsetzung geben wir als Volk Gottes Zeugnis ab von Christus, nur in der Umsetzung wird ein toter Buchstabe auf totem Papier zum lebendigen Wehen des Heiligen Geistes. Und so sind wir eingeladen, liebe Schwestern und Brüder, uns diese Formen in der Zeit bis Ostern zu eigen zu machen. Möglichkeiten gibt es unzählige. In unserer Zeit und Gesellschaft auf etwas an sich Überflüssiges zu verzichten, dürfte nicht schwerfallen:

Das Smartphone vielleicht in dieser Zeit für wenigstens eine Stunde durch das Lesen der Heiligen Schrift oder anderer geistlicher Literatur zu ersetzen? (Die Welt besteht aus mehr als aus einem kleinen Display!)
Auf den Konsum von Fleisch vielleicht tatsächlich einmal ganz zu verzichten? (Unsere Gesundheit und die Ökologie werden es uns danken!)
Mit dem Blick Christi durch diese 40 Tage zu gehen und damit die Schwächsten, Ärmsten und Verlassensten unserer Gesellschaft zu beachten und ihnen zu helfen? (Und sei diese Hilfe noch so klein und vermeintlich „banal“!)
Den Tag vielleicht mit einem Gebet zu beginnen und zu beschließen? (Der Gebetsschatz der Kirche ist hier nahezu unendlich!)

Und so weiter und so fort. Ich denke, diese kleine Liste kann jeder im Sinne Jesu und im Sinne des Evangeliums ergänzen.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin ein großer Anhänger der Fastenzeit und habe sie nie als eine Selbstkasteiung oder als eine große Bürde wahrgenommen. Stets war es eine Zeit der Reinigung, ein Mitgehen mit Christus durch die Wüste. Mit seiner Gnade und in seiner Gesellschaft fiel es mir nie schwer, durch diese Wüste zu gehen, weil ich Gewissheit hatte: Gewissheit, dass uns Christen am Ende dieser Zeit, nach dem Geheimnis des Kreuzes, die Osterfreude erwartet. Ein lautes Gloria, ein lautes Halleluja zum Dank dafür, dass die Liebe über den Tod obsiegt hat.

Ihnen allen wünsche ich von Herzen eine gute Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Mögen wir sie auf die Fürsprache aller Heiligen in einer Haltung des Gebetes, des Fastens und des Almosengebens begehen und dabei nicht trübselig ausschauen! Gottes reichen Segen!

Ihr

Vikar Stjepan Prtenjaca

Aktuelles

Die nächsten Gottesdienste
St. PetrusDonnerstag, 21. März, 07.45 UhrSchülergottesdienst
St. AndreasDonnerstag, 21. März, 07.50 UhrSchülergottesdienst
St. AndreasDonnerstag, 21. März, 13.30 UhrHeilige Messe für Senioren
St. KilianDonnerstag, 21. März, 18.30 UhrHeilige Messe
St. MartinDonnerstag, 21. März, 19.00 UhrHeilige Messe
...weitere Gottesdienstzeiten
Der Gesprächskreis der Frauen

trifft sich am Mittwoch, 20. März, 19 Uhr im Pfarramt St. Martin ...mehr

Ministranten

Die Ministranten ...mehr

Hirtenbrief unseres Bischofs zur Fastenzeit

Solidarität und Nächstenliebe für Geflüchtete ...mehr

Haushaltsplan 2019/20

… liegt aus vom 11.-23. März zur Einsichtnahme für die Gemeindemitglieder St. Martin u. St. Ulrich ...mehr