Wer glaubt, ist nie allein

Der Herbst zeigt sich in diesen Tagen und während ich diese Zeilen schreibe noch von seiner schönsten Seite. Milde Temperaturen und ein wunderschönes Farbenspiel auf den Bäumen prägen den Alltag, die Natur zeigt sich noch einmal von ihrer schönsten Seite. Wenn wir nun allerdings auf den November zugehen, dann verbinden die meisten Menschen diese Jahreszeit wohl eher mit ungemütlichen Begleiterscheinungen. Es ist kalt, nass, dunkel, grau, neblig, oder in einem Wort: ziemlich ungemütlich. Es wird wohl kaum jemand den November zu seinen Lieblingsmonaten zählen.

Als Christen haben wir aber freilich allen Grund, den November hoffnungsvoll und freudig zu beginnen, wenn wir eines der schönsten Feste im Kirchenjahr feiern: Allerheiligen. Ein Fest, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, weil es uns in diesen schweren Zeiten als Kirche eine gehörige Portion an Trost spenden kann. Es ist sehr bedauerlich, dass wir die Heiligen in unserer eigenen Frömmigkeit mittlerweile so vernachlässigen. Namenstage werden kaum noch gefeiert und begangen, die Heiligenfiguren verschwinden zunehmend aus den Kirchenräumen und abgesehen vom Heiligen Martin und dem Heiligen Nikolaus kennen die Kinder auch kaum noch andere Heilige und können kaum noch ein Datum auch einem bestimmten Heiligen zuordnen. Immerhin die Beiden, ja, aber es ist doch ein wenig mager, das müssen wir uns schon eingestehen.

Liebe Schwestern und Brüder: ich denke, es ist an der Zeit, dieses Fest in unserem Leben als Christen neu zu entdecken und ihm wieder einen besonderen Platz zuzugestehen, weil es unseren Horizont ganz immens erweitern kann. Wenn wir Trauer über die schwindenden Teilnehmer der Gottesdienste empfinden, darüber klagen, dass immer weniger Menschen etwas mit der Kirche zu tun haben wollen, dann ist das auf der einen Seite berechtigt, aber es verengt den Blick doch zu sehr auf uns heute. Es verengt künstlich unseren Kreis. Weiten wir ihn wieder! Die Weite ist doch immer besser als die Enge (und sie ist wesentlich katholischer als die Enge!!). Allerheiligen (und Allerseelen am Folgetag freilich auch!) lehrt uns doch, dass wir immer die Kirche aller Heiligen, die Kirche aller Seelen und damit auch immer die Kirche aller Zeiten sind. Wir sind als getaufte Christen in einer riesigen Schar an Gläubigen. Eine Schar an Menschen, die uns im Glauben schon seit zwei Jahrtausenden vorausgeht.

Wenn wir uns diesen Blick wieder zu eigen machen, vermag es uns vielleicht in einem mäßig besuchten Gottesdienst Trost zu spenden, dankbar zu sein und eine tiefe Freude am Glauben zu empfinden und diese Freude auch auszustrahlen. Ich verspreche Ihnen, dass wir von dieser Freude alle profitieren werden. „Wer glaubt, ist nie allein“ sagte Papst Benedikt XVI. einmal in einer schönen Predigt und dieses Wort von ihm kann uns vielleicht als eine Art Überschrift für dieses Fest gelten. Wir sind tatsächlich nicht allein, die Fürsprache aller Heiligen ist uns auch in diesen schweren Zeiten gewiss. Jeder Heilige ist zudem ein großes Vorbild im Glaubensleben und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich um Heilige der Antike, des Mittelalters oder der Neuzeit handelt. Nutzen wir vielleicht gerade dieses Fest und nehmen es zum Anlass, uns mit diesen großen Gestalten zu beschäftigen.

Jeder von uns trägt einen Namen, der mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen Heiligen zurückgeht. Beginnen wir vielleicht mit unserem Namenspatron und lernen etwas von ihm. Wann, wo und wie er gelebt hat, was er gelehrt hat und was seine Heiligkeit ausgemacht hat. Ich bin auch hierbei gewiss, dass wir von diesem Lernen im eigenen geistlichen Leben voranschreiten und davon profitieren. Ich selbst bin immer sehr gerührt, wenn ich am 2. Weihnachtstag meinen Namenstag habe und diese Lesung höre, die mir jedes Jahr aufs Neue eine Gänsehaut bereitet: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Diese Worte im Angesicht des eigenen Todes sprechen zu können und seine eigenen Peiniger ins Gebet zu schließen, macht mich sprachlos, demütig und es tut sich automatisch ein großes Lernfeld für mein eigenes geistliches Leben auf. Ich bin sicher, dass Sie alle ähnliche Worte oder Taten Ihres Patrons finden, die Sie berühren und Sie auf dem Weg durch die dunkle Jahreszeit begleiten können.

Gehen wir hoffnungsvoll durch den November in Richtung Advent, liebe Schwestern und Brüder! Halten wir den kürzer werdenden Tagen unser Licht und unsere Freude entgegen, denn wir haben allen Grund dazu!

Mit den besten Gruß- und Segenswünschen und in freudiger Erwartung auf die nächsten Begegnungen…

Ihr Stjepan Prtenjaca, Vikar

 

 

 

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