Ein Beitrag von Stephan Wiltsche

Geschichte der Pfarrei St. Petrus, Deuchelried

Die erste Nennung der Pfarrei Deuchelried St. Petrus verdankt sie dem "Liber Taxationis" vom Jahr 1353, einem Verzeichnis der Kirchen und Pfründen des Bischofs von Konstanz. Während die Kirche in dem Kreuzugszehntverzeichnis von 1275 ("Liber Decimationis") noch keine Erwähnung findet, wird sie 78 Jahre später, bei ihrer Erstnennung als Filiale der Pfarrei St. Martin genannt.

Auffällig ist, dass in den ersten Kirchenbüchern der Martinspfarrei die Deuchelrieder Filialisten niemals gesondert geführt werden. Sie tauchen, egal ob beim Taufen, Heiraten oder Sterben mitten unter den Pfarrangehörigen der Martinspfarrei auf. Offensichtlich muss aber ein eigenes Seelbuch / Jahrtagsverzeichnis geführt worden sein, in dem die zum Teil "ewigen" Messspenden festgehalten worden sind. Dieses Seelbuch ist leider nicht mehr nachweisbar, wird aber im Seelbuch der Martinspfarrei (von 1593) mehrfach erwähnt.

Vermutungen des vormaligen Deuchelrieder Pfarrers Konrad Lupberger (1889-1917 Pfarrer in Deuchelried), dass die Deuchelrieder Kirche die Mutterpfarrei der Wangener Martinskirche seie, sind immer unbelegt geblieben. Sie stützen sich auf eine mündliche Sage und der Tatsache, dass die Alemannen gerne auf erhöhten Terassen siedelten, was man für das Deuchelrieder "Hochland" gerne, wenn auch noch unbelegt, annehmen darf. Allgemein werden Kirchen mit Petruspatrozinien als sehr alte angenommen, die oftmals auf vorchristliche Kultstätten aufsetzen, die dem Donar geweiht waren. Weiter fällt auch auf, dass das Gebiet der Filiale Deuchelried immer als ein relativ geschlossenes Gebiet auftritt, das über die Gerichtsgrenzen reicht, aber auch über die fränkische Gaugrenzen des Argen- und Nibelgaus. Aus all diesen Anhaltspunkten das Alter der Deuchelrieder Pfarrfamilie herzuleiten oder gar das Verhältnis zur Martinskirche daraus zu bestimmen, ist jedoch eher spekulativ. 

815 wird der Ort Wangen aufgrund einer Schenkung an das Kloster St. Gallen geschichtlich fassbar. Die Martinskirche selber gilt als fränkische oder fränkisch-alemannische Gründung des 8. oder 9. Jahrhunderts. Nachweislich gelten die Kirchen, die den Hauspatron der Franken, den Heiligen Martin von Tour, als Patron führen, als die ältesten Kirchen der Gegend. Die Martinskirche in Wangen wird bald sanktgallische Eigenkirche. Vom Maierhof und dem von ihm getrennten Kellhof in Wangen werden die verschiedenen sich entwickelnden Besitzungen und Schenkungen verwaltet und die Einkünfte eingezogen.

Der "Zehnt", als die älteste kirchliche Abgabe, gibt einen Hinweis gibt auf die kirchliche Organisation in der karolingischen Zeit, in der die Einführung der Zehntrechte fällt. In späteren Zeiten wurde der Zehnt vielfach an Dritte als Einnahmequelle verliehen, verpfändet oder verkauft. Fast alle Deuchelrieder Höfe zehnten aber noch zu Ende des 16. Jahrhunderts an den Pfarrherrn von St. Martin. Dies belegt ein 1570 zusammengestellter Zehntkatalog, der sich im Pfarrarchiv der Martinspfarrei erhalten hat. Dort wird der enge Bezug der Orte zueinander deutlich, allerdings mit Wangen als dem sanktgallischen Hauptort der Verwaltung und des kirchlichen Lebens.

Interessant dabei ist, wenn man die Ausbreitung der sanktgallischen Lehen aufgrund verschiedener Verzeichnisse betrachtet. "Lehen" sind Verleihungen wie eine Art Verpachtung von Klostereigentum. Während bis ins 12. Jahrhundert keine Lehen des Klosters im Deuchelrieder Sprengel sichtbar werden, sind um das Jahr 1200 herum 9 Deuchelrieder Lehen zu verzeichnen, die "exterritorium curia Wangin", also in der Verwaltung der Wangener Niederlassung des sanktgallischen Klosters stehen.

Es sind im Archiv Sankt Gallen um das Jahr 1200 folgende Deuchelrieder Höfe oder Weiler als Lehen genannt:

  • zem Hage, heute Hag (1369 und 1371 sowie 1413 wiedergenannt)
  • an der Wiese, heute entweder Wiesen oder eher Zurwies (1413 als "zer Wies" wiedergenannt)
  • Hirseberg (Hirschberg, eine aufgelassene Hofstelle auf dem Hügel zwischen Bimisdorf und Laudorf), im 14. und 15. Jhdt. wiedergenannt
  • Lugedorf, heute Laudorf, mit eigenem Ortsadel, ebenfalls im 14. und 15. Jhdt. wiedergenannt
  • Gorshaus, vermutlich ein Hof des Weilers Breiten, der 1841 bei Pauly noch als Gordisbauer geführt wird
  • Brechun, vermutlich Breiten, im 14. und 15. Jhdt. wiedergenannt
  • Wanried, heute Wohnried (im 14. und 15.Jhdt wiedergenannt)
  • Zi dem Tobile, vermutlich Tobel bei Grub, eher als Tobel beim Ratzenrieder Bahnhof (1369 und im 15. Jhdt. wird jedenfalls Grub als sanktgallisches Lehen wiedergenannt, das andere Tobel nie mehr); Grub gehört mitsamt dem "Rotholz"-Filialgebiet zur Martinspfarrei und lieferte u.a. jährlich ein Fasnachtshuhn ab, was ein Zeichen für klösterliche Leibeigenschaft ist.
  • Raggenwiller (später Roggenweiler), ist entweder ein abgegangener Weiler bei Windhäusern/Watt oder es könnte nach einer Namensänderung das heutige "Halden" damit verbunden sein. Wiedergenannt im 14. und 15. Jhdt.

Wenn man dann noch verschiedene Lehensverzeichnisse des 14. und frühen 15. Jahrhunderts in Betracht zieht, wird eine deutliche klösterliche Siedlungs-, Rodungs- und Schenkungsentwicklung um Wangen herum und vom Wangener Kell- und Maierhof aus initiiert sichtbar, die auch das Deuchelrieder Gebiet betrifft (bis 1436 werden 53 Lehen auf dem Gebiet des Pfarrsprengels dem Kloster zugerechnet).

Die sanktgallischen Lehen des 12. bis zum frühen 15. Jahrhunderts auf dem Deuchelrieder Gebiet

der Deuchelrieder Pfarrsprengel um 1820

Deuchelried hatte für viele Jahrhunderte zwei bedeutende Heiligenpflegen, die Petrus- und die Liebfrauen-Heiligenpflege mit jeweils erheblichen Einnahmen und einigem Grundbesitz. Im Pfarrarchiv befinden sich Verzeichnisse und handgezeichnete Karten mit den den Acker-, Wiesen- und Waldbesitzungen der Pfarrei in den fünf Öschen Deuchelrieds.

Mit dem Vertrag zwischen der Stadt Wangen und dem Kloster St. Gallen geht 1586 das wichtige Patronatsrecht der Pfarrei auf den Magistrat der Stadt über.

Der Sprengel wurde von Kaplänen und Geistlichen der Martinspfarrei aus pastoriert. 1728 wird die Deuchelrieder Filiale zum Pfarrvikariat erhoben.

1823 wird das Pfarrvikariat zur eigenständigen Pfarrei erhoben.

Bis 1974 ist die Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer besetzt. Nach dem Weggang von Herrn Pfarrer Gromer wird die Pfarrei noch bis zum Jahr 2010 von Pfarradministrator Pfr. Leopold Vidal betreut. Seit dieser Zeit teilt sich die St. Petruspfarrei den Pfarrer und die anderen pastoralen Mitarbeiter mit den fünf anderen Pfarreien der Seelsorgeeinheit Wangen.

 

Bilder der alten Pfarrkirche vor dem Umbau

Die Kirche wurde mehrfach umgestaltet. Der gotische Chorraum stammt von 1465/67. Der romanische Turm, der 1728 nach einer Reparatur sein heutiges Aussehen mit der spitzigen Haube bekam (übrigens gegen den Willen des Ordinariats, dem die Turmsitze zu teuer und zu aufwändig erschien). 1966 wurde das Kirchenschiff abgerissen, neu und größer gebaut und mit einem Seitenschiff versehen. Teile der alten Ausstattung, etwa die geschnitzten Rosenkranzmedaillons und andere Ausstattungssücke des vormaligen Schiffes wurden wiederverwendet. Leider wurde dabei neben den Seitenaltären auch das erste Werk des Gebhard Fugel in unserer Region von 1869 zerstört. Es stellte im Deckenbild die Verkündigung des Petrus am Pfingsttag dar. 

Ein Deuchelrieder Schmuckstück

Die Deuchelrieder Grotte

Am 8. August 1897 wurde von der damaligen Adlerwirtin Kreszentia Bodenmiller die Lourdesgrotte gestiftet. Diese befindet sich am sogenannten "Grottenbuckel", also am Aufgang des Berges, wenn man Richtung Watt fährt.

Die Marienstatue wurde in der Maier´schen Hofkunsthandlung in München gekauft. Die Grotte selber wurde von dem aus Tettnag stammenden Steinhauermeister Bruder aus Tuffstein geschaffen, der bis vom Bäratal (nahe Beuron an der Donau) hergeschafft wurde. Auch wurde ein Gitter gemacht (Schmiedemeister Merath aus Deuchelried), sowie eine Wasserleitung verlegt. Insgesamt wurden für die Anlage, incl. des 2 Jahre später enstandenen Kreuzweges 6000 Goldmark ausgegeben, was zu dieser Zeit eine enorme Summe darstellte. 

Als Witwe vermachte Kreszentia Bodenmiller die Anlage der Kirchengemeinde, die sie bis heute im Mai an jedem Montagabend und von Juni bis September an jedem Sonntagabend mit Gebet füllt. Am Grottenfest tritt sogar immer ein "Grottenchörle" zusammen, die mit einer Abordnung der Musikkapelle und vielen Gläubigen den Ort als einer des Gebets mit Leben und Musik erfüllt.

Holzbeschreibung der Barockzeit

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