Impulse für die Fastenzeit 2021


Mit dem Aschermittwoch hat die diesjährige Fastenzeit begonnen. Jedes Jahr laden diese sieben Wochen uns ein, zu überlegen, wovon uns ein bisschen weniger gut tun würde. Von Süßigkeiten, Kaffee, Fleisch und Alkohol, über Fernsehen, Handynutzung und Auto fahren bis zum modern gewordenen Klimafasten sind die Möglichkeiten fast grenzenlos.

Da wir Corona bedingt momentan täglich das Gefühl haben, auf Liebgewonnenes verzichten zu müssen, fällt es diese Jahr vermutlich doppelt schwer, eine Entscheidung zu fällen. Immerhin versüßt ein wenig Schokolade doch den  Alltag zwischen Homeoffice, Homeschool und Waschmaschine und die seltenen Großeinkäufe wären ohne Auto kaum machbar. Das Handy als oft einzige Kontaktmöglichkeit wegzulegen, ist in diesem besonderen Jahr auch nicht die angenehmste Alternative. Deshalb möchten wir euch mit neuen Ideen durch die Wochen bis Ostern begleiten. Verzichten wir doch einfach auf Etwas, das nicht nur ungesund ist, sondern dessen Verzicht uns wirklich Freude, Leichtigkeit und Zuversicht bringen kann!

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Jammern

Das Evangelium des ersten Fastensonntags erzählt, dass Jesus 40 Tage allein in der Wüste war. Er hat dort nicht mit diesem Umstand gehadert, nicht gejammert, geweint und lamentiert. Er zeigt uns, dass wir lernen können, Dinge anzunehmen, deren Veränderung nicht in unserer Macht liegt. Darüber zu jammern macht schlechte Laune für uns selber und die Menschen um uns herum und nützt leider nichts.

Wenn wir uns in den nächsten Tagen dabei ertappen, in den Jammerton zu verfallen, können wir kurz innehalten und nachdenken, über was jammere ich gerade? Ist es etwas, das außerhalb meiner Macht liegt, wie beispielsweise das Wetter? Wie könnte ich diesen Umstand annehmen? Was könnte ich Positives entdecken? Nützt das Jammern jemandem oder entzieht es nur Energie? Tut es mir gut? Vielleicht ein paar Minuten lang, dann tut es bestimmt besser, die Nörgelei schnell wieder abzustellen.

Oder jammere ich über etwas, bei dem ich selber Veränderungen bewirken kann? Wenn ich immer wieder über dieselben Dinge, Menschen und Beziehungen klage, dann ist es vielleicht einfach an der Zeit, klare Absprachen zu treffen, Grenzen zu setzen und die eigene Ansicht klar und freundlich bei der betreffenden Person anzusprechen, als bei anderen darüber zu klagen. Nur so kann eine Veränderung eintreten. Das ist nicht leicht, aber Mut tut gut! Reden und Optimismus statt jammern und klagen, dazu möchten wir diese Woche inspirieren.

Jesus war nicht nur zum Fasten in der Wüste. Er hat dort zu seinem Vater gebetet. Vielleicht liegt in der momentanen Zeit auch für uns die Chance, Gott und uns selber wieder näher zu kommen. In der Stille, abseits der negativen Worte und Gedanken ist viel Neues und Schönes möglich. Wenn es gut tut, dann kann das Jammerfasten gerne über diese sieben Tage hinaus fortgeführt werden!

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Ausreden

Das Evangelium vom 2. Fastensonntag erzählt die Geschichte, wie Jesus drei von seinen Freunden auf einen hohen Berg führte. Vor ihnen wurde Jesus verwandelt. Sein Gesicht leuchtete wie eine Sonne. Strahlende Menschen sind etwas Wundervolles. Jesus tat das, von dem er wusste, es ist das Richtige für ihn. Er handelte nicht den Erwartungen seiner Verwandten oder der Gesellschaft entsprechend, sondern lebte das Leben, das für ihn vorgesehen war. Menschen, die ihr Leben nach eigenen Vorstellungen und ihrem persönlichen Wesen entsprechend gestalten, strahlen aus den Augen und aus dem Herzen. Sie sind wie die Sonne für alle, die mit ihnen  zu tun haben.

Wir können uns in den kommenden Tagen auf dieses Strahlen einstimmen. Wann strahlen wir? Wo fühlen wir uns am richtigen Ort, wann fühlen wir uns besonders glücklich, woher kommt die Zufriedenheit, was bereitet uns Freude, was möchten wir öfter machen und wann sind wir ganz bei uns?

Vielleicht leuchten wir schon, wenn wir an all die schönen Dinge denken, doch richtig Freude bereitet die Umsetzung. Meist hält uns nur eines davon ab: viele Ideen liefern die passende Ausrede gleich mit! Doch genau darum geht es diese Woche. Wir wollen sieben Tage lang auf alle Ausreden verzichten. Keine Zeit, zu schlechtes Wetter, kein Talent, das kann ich nicht! Lasst uns alle Ausreden für sieben Tage aus unseren Worten und Gedanken verbannen und Dinge tun, die uns Freude machen und zum Strahlen bringen. Lassen wir die innere Sonne scheinen und vielleicht bleiben die viel beschäftigten Ausreden sogar länger als sieben Tage in Quarantäne.

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Unordnung

Als Jesus zum Passahfest nach Jerusalem kam, fand er dort Händler und Geldwäscher vor. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus. Er räumte dort so richtig auf. Manchmal machen es sich auch in unseren Räumen Dinge bequem, die dort schlicht nicht hingehören. Ein energisches Aufräumen, Entrümpeln und Durchlüften tut auch unseren Schubladen, Festplatten, Wohnungen und Garagen gut.

In dieser Woche können wir die frische Energie des nahenden Frühlings für gemeinsames Aufräumen nutzen. Wer im eigenen Haushalt nicht genug Gerümpel findet, der schnappt sich einfach eine Mülltüte und spaziert damit durchs Dorf. Sieben Tage gemeinsam mit Energie und Freude aufräumen und sauber machen kann einen großen Unterschied bewirken. Und die Ordnung im Außen kann bis in uns selbst hinein Kreise ziehen und uns nebenbei in vielen Fragen und Angelegenheit zu einer neuen Klarheit oder veränderten Perspektive verhelfen. Ausprobieren lohnt sich!

Das Fasten stellt sich in diesen Tagen ganz von selber ein. Wer mit Aufwand, Kraft und Zeiteinsatz einst gekaufte Dinge entsorgt, der wird in nächster Zeit weniger Dinge anschaffen und sich vielleicht manchen Klick auf der Bestellwebsite ersparen. Denn jeder der mitmacht wird spüren: Entsorgen und Ordnung machen kann sehr viel zufriedener machen als kaufen. Und eine echte, tiefe Zufriedenheit werden Dinge nie schenken können. Die findet sich im eigenen Herzen, im Glauben und im bewusst gelebten Alltag.

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Unwahrheiten

Das Evangelium vom vierten Fastensonntag endet mit den Worten: „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“

Du sollst nicht lügen, das lernen wir bereits als kleine Kinder. Doch wie genau nehmen wir Erwachsenen es mit der Wahrheit? Sagen wir nicht alle manchmal „vielleicht“, obwohl wir schon wissen, dass es auf ein „Nein“ hinauslaufen wird? Wie schnell kommen kleine Unwahrheiten über unsere Lippen, besonders dann, wenn wir jemandem nicht wehtun, ihn vor etwas schützen oder nicht enttäuschen wollen?

Kleine Unwahrheiten sind oft der bequemere Weg.  Wie würde es sich anfühlen, eine Woche lang darauf zu verzichten? Dabei geht es nicht darum, anderen ungefragt radikale Meinungen an den Kopf zu werfen. Es geht mehr darum, sich zu fragen, warum man zu den Unwahrheiten greift. Ob sie den momentanen Moment einfacher machen, ob wir nötige Konflikte scheuen und hinauszögern wollen oder ob es uns zur Gewohnheit geworden ist? Lasst uns ein paar Tage bewusst unser Augenmerk auf die Wahrheit lenken und vielleicht einen neuen Zugang und Umgang mit ihr finden. Schaffen wir sieben Tage ohne Unwahrheiten?

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Vorwürfe

Jedes Jahr am 19. März gedenken wir dem Heiligen Josef. Er ist nicht nur der Patron der gesamten Kirche, vieler Länder und Pfarreien, sondern auch der Handwerker und besonders der Patron der Familien, Partnerschaften, Kinder, Jugendlichen und Erzieher. Josef wird uns in dieser Woche als Vorbild dienen und wir laden dazu ein, den Josefs in unserem Bekanntenkreis zum Namenstag zu gratulieren, aber auch, sich ein wenig mit Josef als Vaterfigur auseinanderzusetzen.

In den biblischen Geschichten und Darstellungen bleibt Josef am Rande und im Hintergrund. Ein stiller Mann mit einem großen Herzen. Denn er nahm Maria als seine Frau an, obwohl er von den Umständen ihrer Schwangerschaft vermutlich mehr als überrascht war. Er machte ihr keine Vorwürfe, stand ihr zur Seite und zog Jesus als seinen Sohn groß. Ein Sohn, der besonders war und in vieler Hinsicht nicht den üblichen Erwartungen eines Vaters entsprach. Er nahm die Menschen in seiner Familie an und stand hinter ihnen, ohne Vorwürfe, Erwartungen und Dankbarkeitsansprüche. Bedingungslos.

Josef kann uns dazu inspirieren, die Menschen in unserem Umfeld so anzunehmen, wie sie sind. Unsere Eltern, Partner und Kinder zu lieben, ohne Vorwürfe, ohne Erwartungen, einfach um ihrer selbst willen. Und auch uns selbst anzunehmen, wie wir sind. Wir sind gut, so wie wir sind. Wir sind richtig. Wir sind genug. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Vielleicht können wir das auch lernen? Lasst uns sieben Tage lang bewusst auf Erwartungen und Vorwürfe verzichten. Den anderen und besonders auch uns selbst gegenüber.

 

Fastenimpuls: Sieben Tage ohne Ablenkungen

Der Palmsonntag und die daran anschließende Karwoche liegen vor uns. Auch ohne Fernsehen, Radio oder Internet erfuhren die Menschen vor über 2000 Jahren davon, dass Jesus in Jerusalem einziehen würde. Sie säumten die Straßen und jubelten ihm zu. Wir können sicher sein, wenn etwas wirklich Wesentliches stattfindet, dann werden wir davon erfahren.

So möchten wir diese Woche einladen, auf Ablenkungen durch allzu viele Nachrichten, Medien und Berieselungen bewusst zu verzichten. Stattdessen ist gerade die Karwoche eine Zeit, in der viele Bräuche und Rituale zu einer schönen Einstimmung auf das Osterfest einladen. Wir können Palmen binden, Eier färben, Osternester richten, eine Gründonnerstagssuppe kochen, auf den Kapellenberg spazieren und die Kreuzwegstationen betrachten, Kresse säen, Osterkerzen verzieren, Haus und Garten schmücken, ein Ostermenü planen, Kartengrüße verschicken und das neue Erwachen täglich draußen in der Natur bestaunen und genießen.

Die Fastenzeit geht ihrem Ende entgegen. Wie ist es euch ergangen, ohne jammern, ohne Ausreden, ohne Unordnung, ohne Unwahrheiten, ohne Vorwürfe und ohne Ablenkungen? Seid stolz auf eure Versuche und Einsichten und feiert den Abschluss der Fastenzeit ausgiebig. Gerne bei einem der feierlichen Gottesdienste in der kommenden Woche und natürlich am Ostersonntag.

Wir wünschen euch frühlingshafte Leichtigkeit, Freude, Zuversicht und eine gesegnetes Osterfest, in dem das Wunder der Auferstehung lebendig wird!

Der Kirchengemeinderat der Pfarrei St. Andreas

Aktuelles

Die nächsten Gottesdienste
Spitalkirche Freitag, 26. Februar, 09.00 Uhr
Kirche St. Andreas Freitag, 26. Februar, 18.00 Uhr
Spitalkirche Freitag, 26. Februar, 18.00 Uhr
Kirche St. Ulrich Samstag, 27. Februar, 17.00 Uhr
Kirche St. Ulrich Samstag, 27. Februar, 18.30 Uhr
...weitere Gottesdienstzeiten
Weltgebetstag 05.03.2021

In diesem Jahr als Videokonferenz und Online-Gottesdienst ...mehr

Bußgottesdienste in der Fastenzeit

Zeit für Einkehr und Umkehr ...mehr

MISEREOR-Hungertuch

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" ...mehr

Caritas-Fastenopfer 28.02.2021

40% der Spenden für soziale Aufgaben vor Ort ...mehr